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Materialien im Kanubau:
Polyethylen (PE): Ein weitverbreiteter, umweltfreundlicher, fast unkaputtbarer Werkstoff
- HTP: Als einziger Hersteller mit einem umfassenden Kajakprogramm stellt der Rosenheimer Hersteller Prijon seine PE-Kajaks
auf einer Blasformanlage her. Dieses Material ist deutlich langkettiger, steifer und abriebfester als das im Rotationsverfahren
verwendete PE, wodurch die Boote leichter gebaut werden können. Prijon gibt deshalb auch eine 5-Jahresgarantie auf die Bootshülle
und nimmt ausgediente Boote lebenslang zurück (was selten in Anspruch genommen wird, denn diese Boote überstehen Jahrzehnte selbst im härtesten
Einsatz)
- Rotiertes PE: Hier wird der Werkstoff in einer geheizten Form durch Rotieren und Schwenken der Form solange verteilt, bis sich überall die
gewünschten Wandstärken einstellen. Das Verfahren hat den Vorteil der größeren Gestaltungs- und Farbvielfalt gegenüber dem Blasformen,
das Material ist aber etwas weicher und weniger abriebfest, die resultierenden Boote sind i.d.R. schwerer als die blasgeformten und/oder
etwas weniger robust. Insbesondere Verformungen, die unter Wärme und/oder Last entstehen (z.B. beim Bootstransport auf dem Autodach)
kriegt man nur mit einigem Aufwand wieder korrigiert.
- Rotiertes Sandwich-PE: Ein mehrschichtiger Aufbau aus dünner Innen- und Außenschicht und dazwischen einer dickeren, Schaum-PE-Schicht.
Die Boote sind recht schwer, aber durch die dicke Wandung auch sehr steif. Der Schaumkern bringt einen hohen Restauftrieb und gute Isolation
zum Wasser. Durch die dünne äußere Verschleißschicht aber auch empfindlicher als einlagiges PE.
Wird überwiegend bei großvolumigen Booten (Canadiern) eingesetzt.
Laminate: Hier werden Gewebematten in eine Negativform des Bootes gelegt und mit Harzen getränkt. Je nach gewählten Materialien
unterscheiden sich die Eigenschaften gewaltig. Gegenüber PE deutlich weniger umweltfreundlich, sowohl bei herstellung als auch bei der Entsorgung:
- GFK: Hier wird eine Glasgewebematte meist mit preiswerteren Harzen verwendet. Die Boote sind steif, aber relativ schwer und trotzdem
längst nicht so robust wie PE. Abzuraten ist von wirklichen Billigbooten, wie sie oftmals aus ehemaligen Ostblockstaten angeboten werden.
Hier werden oft nur Spritzlaminate mit billigen Polyesterharzen verwendet, diese Boote sind noch deutlich bruchgefährdeter
- Carbon/Aramid: Laminate aus Carbon und/oder Aramidgeweben werden meist mit hochwertigen Harzen laminiert. Das Materal ist deutlich
leichter als GFK, dafür aber auch sehr viel teurer. Der klare Vorteil ist das geringe Gewicht, dafür muss man Einschränkungen in der
Robustheit der Boote hinnehmen.
ABS: ist ein zähharter Thermoplast, der im Bootsbau üblicherweise in geheizten Formen aus Platten
tiefgezogen wird. Da ABS nicht UV-beständig ist, wird es üblicherweise nur als Sandwichmateriel mit schützenden Außenschichten und,
zur Vergrößerung der Steifigkeit, oft mit geschäumten Materialschichten verwendet
- Beim Royalex werden dazu Vinyl-Außenlayer verwendet. Das Material wird sehr viel im Canadierbau verwendet, da die Verwendung
von PE hier zu fast untragbar schweren Booten führt. Nicht ganz so robust wie PE, dafür aber deutlich leichter und leider auch teurer.
- PriLite: Bei diesem Material aus der Rosenheimer Kajakschmiede Prijon wird der ABS-Kern durch eine PMMA-Schicht (Plexiglas)
geschützt, welche dem Boot zudem eine edle Optik gibt. Ca. 20% leichter als HTP, etwa auf gleichem Preisniveau, dafür aber etwas empfindlicher.
Ein guter Kompromiss wenn einem PE zu schwer ist, Carbon und/oder Aramid aber zu teuer und/oder zu empfindlich sind.
Faserverstärkte Thermoplaste: Schon länger im Flugzeugbau verwendet, aber recht neu in der Kanuwelt
- Armertlite: Ebenfalls eine Innovation aus Deutschland, vom bayrischen Kanubauer Robson: Steif, schlagfest, mindestens so robust wie PE
dabei aber ca. 30% leichter, das gabs bisher noch nicht in dieser Kombination. In Preis und Gewicht etwa auf dem Niveau von Royalex,
aber wesentlich steifer, robuster und abriebfester
Holz: Ein klasischer Kanuwerkstoff von höchster Ästhetik. Leider spielt dieser Werkstoff im Massenmarkt nur eine sehr bescheidene
Rolle, obwohl sich z.B. in Kombinationen mit laminierten Deckschichten sowohl wunderschöne als auch robuste und sehr leichte Kanus bauen lassen